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Der Herbst und die Kamera

Beitragvon Atrista » 18.10.2009 18:55

Jede Jahreszeit hat für Fotografen ihren besonderen Reiz, und der Herbst macht hier keine Ausnahme. Mit bunter Mischung aus Brauntönen, roten, gelben und grünen Farbtupfern bietet sich eine ideale Kulisse für beeindruckende Bilder. Aber wann und wo sollte man fotografieren?

Morgenstund' hat Gold im Mund
oder was tut man nicht alles für ein schönes Foto
Eine bekannte Weisheit – aus gutem Grund: Es lohnt sich, früh aufzustehen und kurz nach Sonnenaufgang zu fotografieren. Die Sonne steht niedrig am Himmel und taucht die Herbstlandschaft in ein weiches, harmonisches Licht.

[img]/uimg/userpix/584/2_Photo1_1.jpg[/img]

Im Herbst sind zarte Nebelschleier typisch, diese Stimmung zeichnet sich vor allem durch den Effekt aus, dass der Hintergrund verblasst und kontrastarm ist. Bei Landschaftsaufnahmen mit Bergen im Hintergrund fällt das besonders stark auf: je weiter entfernt die Berge, desto geringer der Kontrast.
Selbst bei starkem Nebel ist dieser Effekt nutzbar. Weit entfernte Berge sind in diesem Fall zwar nicht mehr sichtbar, aber die näher gelegenen Motive, wie beispielsweise ein Baum, heben sich deutlich ab und vermitteln dem Motiv eine interessante Aussage.
Wenn wir schon so früh unterwegs sind, gleich die nächste Frage: Wie wählen wir den richtigen Ort und das beste Motiv aus?

Der Lauf der Zeit
Ein markanter Baum ist nicht schwer zu finden. Experimentiert ein wenig mit unterschiedlichen Standpunkten, um den besten Hintergrund und Blickwinkel zu finden. Wählt dann mindestens einen Standpunkt, von dem aus der Baum von den Wurzeln bis zur Spitze zu sehen ist.
Alternativ kann der Baum ein Teil der Landschaft sein. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die „Drittel-Regel“. Stellt euch im Sucher zwei senkrechte Linien vor, die das Bild in drei gleich große, hochkant stehende Rechtecke unterteilen. Achtet bei der Komposition des Bildes darauf, dass der Baumstamm durch eine dieser imaginären Linien verläuft. Dies führt zu einer proportional ausgewogenen Bildwirkung.
Jetzt kann man noch ganz trickreich sein und das gefundene Motiv etwas aufpeppen. Dazu sollte man dann etwas längere Zeiträume einplanen
Dieses Bild ist aber erst der Anfang. Kommt nach drei Monaten wieder und wiederholt die Aufnahme aus der selben Perspektive und immer vom gleichen Standpunkt aus. Es empfiehlt sich, die besten Fotos aus dem Herbst zu drucken und als Gedächtnisstütze mitzunehmen. Zwischenzeitlich dürfte der Winter eingekehrt sein, und der Baum und die Landschaft haben sich stark verändert. Nach sechs und neun Monaten wiederholt ihr die Aufnahmen im Frühling bzw. Sommer.
Vier Aufnahmen von ein und demselben Baum aus identischer Perspektive und zu unterschiedlichen Jahreszeiten ergeben eine reizvolle Kombination mit starker Aussagekraft.
Die gleiche Technik kann man auch auf Bilder anwenden, die ihr von einem Fenster eurer Wohnung aus macht. Die Veränderungen, die uns von einem Tag zum andern kaum auffallen, wirken umso dramatischer, wenn sie zu unterschiedlichen Jahreszeiten eingefangen werden. Ich könnte mir da eine interessante Zeitreise in Bildern vorstellen. Vielleicht die Bilder übereinander gelegt und einen Sommerbaum in die Winterlandschaft pflanzen. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Interessante Details
Manchmal ist es besonders reizvoll, von einem Extrem ins andere zu wechseln. Nachdem ihr Fotos von einem herbstlich verfärbten Baum gemacht habt, schaut einmal auf den Boden. Wahrscheinlich sind bereits einige Blätter von den Bäumen gefallen und bilden einen bunten Teppich.

Wissen ihr eigentlich wo die Naheinstellgrenze eures Objektivs liegt? Steht meistens auf der Beschreibung entweder der Kamera oder des gekauften Objektivs. Aber wer liest schon Gebrauchsanweisungen.
Geht ganz nah an das Motiv heran und drückt dann den Auslöser halb herunter. Im Display könnt ihr kontrollieren, ob die Kamera präzise fokussiert. Geht immer näher an das Motiv heran – bis zu dem Punkt, ab dem keine scharfe Abbildung mehr möglich ist. Vergrößert dann den Abstand ein wenig – dies ist dann die Naheinstellgrenze. Näher heran kann eure Kamera nicht an das Motiv gehen

Bei der Arbeit mit einer Spiegelreflexkamera besteht eine weitere Möglichkeit, Nahaufnahmen zu machen. Stellt das Objektiv auf manuelle Fokussierung (siehe Bedienungsanleitung der Kamera) und die Schärfe auf die geringste Entfernung ein. Bewegt euch dann mit der Kamera vor und zurück, bis das Motiv scharf abgebildet wird. Oft ist die einzige Möglichkeit wenn der Autofokus verrückt spielt und nicht so richtig weiß worauf er "scharf" stellen soll.

Ein Tipp: Ein Herbstblatt zu fotografieren ist wegen der Farben reizvoll. Vor der Aufnahme das Blatt mit ein paar Wassertropfen benetzen, dann wirken die Farben noch intensiver.

Die Naheinstellgrenze gewährleistet eine maximale Vergrößerung, d. h. das Motiv füllt das Bild weitgehend aus. Dabei werden Details erkennbar, die mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind. Die Nahaufnahme von einem kleinen Blatt wirkt als Druck im A4 Format besonders eindrucksvoll.

Das richtige Zubehör
Sicher geht es auch ganz ohne Zubehör – aber falls ihr experimentierfreudig seid, hier noch ein paar interessante Anregungen.

Weichzeichner
Herbstliche, weichgezeichnete Farbtöne können sehr attraktiv wirken. Falls ihr eine Spiegelreflexkamera habt, ist ein Weichzeichner-Filter eine sehr sinnvolle Investition.
Einen ähnlichen Effekt könnt ihr aber auch völlig kostenlos erzielen: Behaucht die Vorderseite des Objektivs, und macht die Aufnahme, bevor der Feuchtigkeitsfilm an der Frontlinse verdunstet. Als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, wurde bei Porträtaufnahmen gelegentlich ein dünner Nylonstrumpf über das Objektiv gespannt, um die Bildwirkung zu verfremden. Diesen Trick solltet ihr einmal bei Landschaftsaufnahmen ausprobieren.

Stativ
Eine weitere Weichzeichnungs-Möglichkeit besteht darin, die Kamera auf einem Stativ zu befestigen und die kleinstmögliche Blende zu wählen. Dann steuert die Automatik der Kamera eine lange Belichtungszeit. Wenn ihr die Aufnahme macht, sind die sich bewegenden Objekte unscharf, die unbewegten Objekte weiterhin scharf.
Probiert diese Technik in einer Landschaft mit Bäumen oder Kornfeldern aus. Selbst eine schwache Brise bringt die Blätter an den Zweigen oder die Halme zum Wogen – die Bildwirkung gewinnt dadurch an Dynamik.
Die Besitzer von Digitalkompaktkameras stellen eine lange Belichtungszeit ein dann wählt die Kamera meistens eine kleinere Blende. Probiert das mal mit fließendem Gewässer aus. Das Wasser wird zu Wattebäuschen und die Landschaft drumherum bleibt scharf. Aber unbedingt ein Stativ benutzen.


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