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AppArtAward 2015 in Karlsruhe verliehen

Beitragvon Atrista » 30.07.2015 08:20

Die Gewinner wurden am Freitag, 10. Juli im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung ausgezeichnet

Seit 2011 vergibt das ZKM Karlsruhe mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft den weltweit ersten AppArtAward. Prämiert werden die besten Kunstwerke im App-Format, die sich als avancierte künstlerische Softwarelösungen auszeichnen.115 Apps aus insgesamt 20 Ländern – der AppArtAward beweist nun auch im fünften Jahr seine internationale Präsenz und Akzeptanz als Wettbewerb für digitale Kunst durch die vielfältige, multinationale und renommierte Teilnehmerschaft.
Die Preissponsoren GFT Technologies AG, CAS Software, MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft und das ZKM Karlsruhe übergaben in diesem Jahr den „Künstlerischen Innovationspreis“, den Sonderpreis „Crowd Art“, den Sonderpreis „Game Art“ sowie den Sonderpreis „Sound Art“, die jeweils mit 10.000 Euro dotiert sind. Die Gewinner wurden am Freitag, den 10. Juli, im ZKM Karlsruhe im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung ausgezeichnet.

Sonderpreis Game Art: Innovative und reflektierte Jump-and-Run-Applikation
Der von der MFG gestifte Sonderpreis Game Art geht an Philipp Stollenmayer für die iOS-App Sometimes You Die (2014). Der Preis wurde von MFG-Geschäftsführer Prof. Carl Bergengruen überreicht. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro.

Die App scheint zunächst eine einfache Jump-and-Run-Applikation zu sein. Doch anstelle einer begrenzten Anzahl von Leben, stehen unendliche viele zur Verfügung. Die Kollision mit den Hindernissen oder das Verfehlen des Weges führt zum Tod des Akteurs, der Spielstein bliebt an Ort und Stelle liegen, ein neuer wird generiert. Ein Teil der Hindernisse lässt sich nur überwinden, indem die als unbelebte Materie liegengebliebenen Spielsteine zu Treppen aufgeschichtet werden, während im Hintergrund ein zynischer Text das Geschehen kommentiert. Der Tod wird in Kauf genommen, um den Weg und das Spiel fortsetzen zu können – allein Ziel und Ausgang bleiben ungewiss.

Jury-Statement: „Das Spiel fördert die bewusste Wahrnehmung von Spielen und die Reflektion der Rolle des Spielers. Der Spieler findet sich in diesem Spiel in einer grafisch simplen Spielumgebung wieder, die an die ersten Computerspiele aus dem Jump’n Run Genre der späten 1980er und frühen 1990er Jahren erinnert. Die Spielfigur vor dem Sterben zu bewahren ist in diesem Spiel nicht die zielführende Strategie, wie so oft üblich.

In diesem Spiel werden die nicht mehr spielbaren Spielfiguren zu wichtigen Helfern, um die einzelnen Level zu durchlaufen. Erwartungshaltungen und Spielstrategien werden durch Veränderungen der Spielmechanismen und Einblendungen tiefgründiger Gedanken gebrochen. Die Kohärenz von Idee, Umsetzung und Performance überzeugte die Jury, dieses innovative und reflektierte Spiel zum Gewinner der Kategorie Game Art des AppArtAward 2015 zu küren.”


Künstlerischer Innovationspreis: Gelungene Verbindung von Ton- und Bildbeeinflussung
Der Künstlerische Innovationspreis geht in diesem Jahr an Fader und Mandy Mozart für die Android-Applikation EDMT (2015). EDMT, eine App für einen audiovisuellen, immersiven Trip, ermöglicht es den Usern, mit dem Smartphone oder Tablet zu „spielen“, um bewusstseinserweiternde Grafiken und EDM-inspirierte Klänge zu erzeugen. Verschiedene Szenarien stehen zur Auswahl, in denen spannende audiovisuelle Umgebungen entdeckt und erforscht werden können.

Im Gegensatz zu den Konzepten, die traditionellen Musikinstrumenten zugrunde liegen, erlaubt EDMT die Interaktion mit Klängen auf eine dynamische und spielerische Weise. Ihr Zauber entfaltet sich, wenn zwei Sinne – das Sehvermögen und das Gehör – synchronisiert werden, um nahtlos in einer einzigen Performance zu verschmelzen. Die Kunstanwendung wird von GFT Technologies AG mit einem Preis in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet.

Jury-Statement: „Die App vereint die verschiedensten Möglichkeiten, Klänge und Visualisierungen zu beeinflussen. Sie besitzt einen spielerischen Charakter und enthüllt durch die Interaktion mit der App immer neue akustische und visuelle Muster. Dabei basiert die Erzeugung und Beeinflussung auf versteckten bzw. schwer identifizierbaren Algorithmen und Beeinflussungsmöglichkeiten, die ein System bilden, aus dem trotzdem ein sich immer wieder veränderndes und auch kaum zu reproduzierendes Ergebnis und Ereignis entsteht.

Damit knüpft die App an Ansätze der Generativen Kunst, bzw. Musik an und transportiert sie auf eine digitale Basis. Die sehr gut gelungene Verbindung von Ton- und Bildbeeinflussung zeigt damit einen universalistischen Ansatz. Der Einzug dieses Universalistischen ist ein aktueller und innovatorischer Trend, der die Jury überzeugte.“


Sonderpreis Crowd Art: Durch alltägliches Handeln ein Kunstwerk produzieren
Den Sonderpreis Crowd Art in Höhe von 10.000 Euro erhält Michael Volkmer von Scholz & Volkmer für die iOS-Applikation Radwende (2014). Im Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs hat Wiesbaden als die fahrradunfreundlichste Stadt Deutschlands abgeschlossen. Ursache dafür ist nicht nur die fahrradfeindliche Infrastruktur, sondern auch die fehlende Lobby für RadfahrerInnen. Scholz & Volkmer entwickelte eine App, die Radfahrstrecken in Wiesbaden sichtbar macht, indem sie die mit dem Rad gefahrenen Strecken dokumentiert und daraus eine Stadtkarte generiert. Die Karte als plakative Darstellung des Radverkehrs in Echtzeit zeigt, an welchen Passagen Radwege benötigt werden und kann als Planungsgrundlage für die Fahrradinfrastruktur Wiesbadens dienen.

Damit kann Radwende auf die Verkehrsgestaltung der Stadt Einfluss nehmen. Parallel zu der App wurde im Landesmuseum Wiesbaden eine Zeichenmaschine ausgestellt, die ebenfalls die gefahrenen Strecken nachzeichnete. Die abstrakte Visualisierung erinnert so permanent und öffentlich an die oft übersehenen Zweiradfahrer; die Radwende App kombiniert Bürgerpetition, Kunst und Klimaschutz. Ausgezeichnet wird die Applikation von CAS Software mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Jury-Statement: „Radwende ist eine App, die sich mit einem konkreten Missstand beschäftigt. Die Unterrepräsentation der Bedürfnisse von Radfahrern in der Stadt. Mit der App kann jeder User seine tatsächlichen Routen durch die Stadt tracken und mit den Daten von anderen Nutzern zu einer Karte zusammenfügen, die als Ergebnis die von Radfahrern meist genutzten Wege in einer Stadt erkennen lässt. Die getrackten Bewegungen der Nutzer werden aber auch täglich analog durch einen Zeichencomputer während des Erhebungszeitraumes auf eine Leinwand übertragen.

Die App bietet damit auch eine Schnittstelle zwischen Virtualität und echtem Medium, dem klassischen Bild. Während die App zudem selber nicht künstlerisches oder spielerisches Handeln direkt anregt, wird aber durch das alltägliche Handeln trotzdem ein Kunstwerk produziert, das von den Nutzern gemeinsam geschaffen wird.“


Sonderpreis Sound Art : User als Klangorganisatoren
Mit dem Sonderpreis Sound Art in Höhe von 10.000 Euro wird in diesem Jahr Chris Carlson für die iOS-Applikation Borderlands Granular (2015) ausgezeichnet. Borderlands Granular ist ein futuristisches Musikinstrument, um Klänge mittels der sogenannten Granularsynthese zu erforschen, fassbar zu machen und zu transformieren. Bei dieser Technik werden kleine Klangfragmente, die sogenannten Grains, übereinandergelegt, um komplexe und sich ständig weiterentwickelnde Timbres und Texturen zu erzeugen. Die Software ermöglicht eine flexible Improvisation in Echtzeit und ist eigens dazu angelegt, die Interaktion mit Klangmaterial zu unterstützen.

Die User werden hier als Klangorganisatoren betrachtet, die gleichzeitig in die Rolle von Kuratoren, Performern und Zuhöreren schlüpfen. Über Buttons und Regler werden besonders die Interaktion durch Gesten und das visuelle Feedback hervorgehoben, um die Anwender zu einer skulpturalen und räumlichen Herangehensweise zu animieren.

Gruppen pulsierender Grains werden erzeugt und per Drag-and-drop in einer Landschaft aus größenveränderbaren Audiodateien verteilt, um die Wellenformen unter den eigenen Fingerspitzen dynamisch und polyphon zu samplen. Der eingebaute Beschleunigungsmesser des iPads kann darüber hinaus verwendet werden, um Klänge mithilfe der Schwerkraft zu formen. Die Kunstanwendung wird vom ZKM mit einem Preis in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet.

Jury Statement: „Borderlands Granular ist eine umfassende Plattform zur Bearbeitung von Klang und Ton im App-Format. Sie zeichnet sich neben ihrem wohldurchdachten und sehr gut umgesetzten Design vor allem dadurch aus, dass dem User die Möglichkeit geboten wird, eigene Sounds zu importieren, und in diesen unterschiedliche Fragmente individuell in Echt-Zeit zu modulieren.

Modulationen können einerseits über eine Vielzahl einstellbarer Parameter oder durch das Bewegen des mobilen Endgeräts selbst, vorgenommen werden. Selbstgeformte Sounds und Konfiguration können abgespeichert und wieder exportiert werden. Der User bekommt mit dieser App ein Werkzeug in die Hand, das als Instrument, Editor oder experimentelles Abspielgerät genutzt werden kann.“


Seit 2011 vergibt das ZKM mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft den weltweit ersten AppArtAward. Prämiert werden die besten Kunstwerke im App-Format, die sich als avancierte künstlerische Softwarelösungen auszeichnen.

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Quelle: ZKM Karlsruhe

Mehr Infos:
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