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Geschichten um Afra
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Der Fluch des Blutes

Beitragvon Atrista » 26.08.2015 16:01

Ein ungleiches Paar

Afra war gerade dabei das Feuer in ihrem Lager zu entfachen als sie in der Ferne das typische Geräusch von Pferden die mit beschlagenen Hufen über das Granitgestein schlurften hörte. Nur einen Augenblick hielt sie inne. In der Nacht waren diese Geräusche bis weit in das Land zu hören. Die Nebel, die auch in der Nacht über dem Sumpf lagen trugen den Schall sehr weit. Sie erwartete Amazonen und Afra schätzte, dass die Reiter etwa in 3 Stunden bei ihrem Lager eintreffen würden. Sonst regte sich nichts in unmittelbarer Umgebung. Das Summen und Flirren in der Luft wurde hier im Sumpfgebiet auch zu den Nachtstunden nicht unterbrochen. Ein gutes Zeichen und Afra machte sich beruhigt weiter daran das Feuer in Gang zu bringen. So lange der Sumpf Zeichen des Lebens von sich gab war auch keine unmittelbare Gefahr vorhanden.
Afra ließ sich neben dem Steinkreis auf die Erde plumpsen, nahm ihre Haare, die jetzt um sie herum auf dem Boden im Staub und in der Asche lagen und warf sie mit einem kräftigen Schwung nach hinten über die Schulter. Mit dem ledernen Überrock wedelte sie kräftig Luft in die Glut unter dem aufgeschichteten Holz. Als die Flamen anfingen sich am Holz nach oben zu züngeln verlor sich Afras Blick. Fasziniert beobachtete sie das Feuer und nur jemand der diese Frau wirklich kannte würde auch merken dass Afra über etwas angestrengt nachdachte.
Ein Wolf war seit Urzeiten für sie kein Jagdziel gewesen. Seit sie bei den Amazonen Smaragd kennen gelernt hatte waren ihr die Wölfe heilig. Von dieser Zeit an hatte sie nie mehr Jagd auf einen Wolf gemacht. Wölfe sind Jäger genau wie sie und deshalb verspürte Afra so etwas wie eine Seelenverwandtschaft. Mehr als einmal hatte sie in kalten Wintern eine Höhle mit einem Rudel geteilt und so auch den gefährlichen Weg über den Pass bewerkstelligen können. Jetzt hat Cindy ihr einen Auftrag gegeben. Sie sollte einen Wolf jagen und töten. Einen Wolf ähnlich dem Untier das die Amazonen oben beim Einstieg in das Gebirge gefangen hielten. Immer öfter kamen Afra Zweifel ob es überhaupt ein Wolf war. Das Wesen da oben im Käfig benahm sich seltsam. Nach all den Tagen würde ein Wolf sich ruhig verhalten, würde lauernd in einer Ecke liegen und beobachten. Dieses Untier aber ist unbändig aggressiv, faucht und grollt und hatte so gar nichts von einem Jäger.
„Tharr, Tharr, Taschet“ fluchte sie während sie sich langsam erhob. Unbewusst war sie in die Sprache ihres Volkes verfallen. Es ist kein Wolf redete sie sich ein. Keinen Augenblick verschwendete sie einen Gedanken an das Gerede von Geisterwölfen und Werwölfen. Alleine die Vorstellung es könnte so etwas geben machten der großen Frau Angst. Für solcherlei Erscheinungen sind die Schamanen und Priester zuständig, damit wollte sie nichts zu tun haben.
Das Feuer knisterte mittlerweile und warf einen hellen Schein über das Lager. Sie kletterte auf den Baum und holte die Schlange, die sie gestern erlegt hatte. Nachdem sie ihr die Haut abgezogen hatte, hatte sie das Fleisch um einen Ast gewickelt um es vor Räubern zu schützen. Jetzt wickelte sie das Fleisch um einen Stock den sie so in den Boden steckte dass er schräg über das Feuer ragte. Sie zog unten das Holz etwas auseinander damit nur die Hitze das Fleisch erreichte und nicht das offene Feuer. Dann lehnte sie sich an einen Baum und wartete.

Die Nacht hellte bereits auf als sie die Pferde nahen hörte. Sie zählte fünft verschiedene Pferde die über den Holzsteg der die Landzunge mit dem Sumpfland verband trabten. Mit den Fingern puhlte sie genüsslich das Schlangenfleisch vom Stock und sah den Reitern entgegen. Ein Pferd nach dem anderen schälte sich aus dem Dunkel und trottete sodann langsam auf das Feuer zu. Mit sich selbst zufrieden stellte Afra fest, ja es waren fünf Pferde. Als Afra die Kriegerin des Feuers erkannt legte sie den Stock weg und stand auf.
„Salam, ehrenwerte Kriegerinnen,“ grüßte sie höflich und verbeugte sich vor den Reiterinnen.
„Kala ihr tapferen Amazonen“, Afra machte eine einladende Handbewegung und beäugte dabei die junge Kriegerin Lilly wie sie da in voller Ausrüstung auf ihrem Pferd saß.
Cindy, die Kriegerin des Feuers schaute sich suchend im Lager um.
„Afra?“ Cindy war etwas verunsichert. Sie stieg vom Pferd und baute sich vor der Tharareb auf. Cindy reichte der großen Frau gerade mal bis zu den Brüsten aber wenn sie so da stand mit den Händen in den Hüften machte sie einen entschlossenen Eindruck.
„Afra?“ wiederholte sie etwas energischer.
„Ehrenwerte gefeuerte Kriegerin,“ antwortete Afra unaufgeregt und schaute mit einem verständnisvollen Lächeln auf die Anführerin herunter.
„Afra wir waren doch für heute verabredet oder etwa nicht?“
„Ja ehrenwerte Feuerkriegerin, Ich habe bereits auf euch gewartet.“
Afras Sprache war sanft und hatte einen leichten Bass der tief aus ihrer Brust zu kommen schien. Die Sprache und die Stimmlage hatte etwas beruhigendes. Die Amazonen kannten Afra jetzt schon sehr lange und wussten genau wie sie Tonlagen bei der Frau zu deuten hatten.
Je leiser sie sprach und je unterwürfiger sie antwortete desto größer war die Gefahr die von ihr ausging. Sie lullte damit ihr Gegenüber ein und verharmloste sich dabei selbst.
Cindy ließ sich nicht einschüchtern und tippte mit einem Finger bei jedem Wort in Afras Bauch.
„Wo ist dein Pferd? Wo dein Rucksack? Wo sind deine Waffen?“ Cindy machte eine kleine Pause und fragte dann lauernd: „Hast du deinem Pferd etwa wieder einen Eimer von deinem Gebräu gegeben und es liegt besoffen irgendwo herum?“
Die anderen Amazonen waren vorsichtshalber auf ihren Pferden geblieben um sofort die Flucht anzutreten wenn Afra durchdrehen sollte. Sie bewunderten ihre Anführerin denn allen war bekannt dass diese Frau über Kräfte verfügte die niemand erklären konnte.
Afras Blick war auf den Finger fixiert der immer in ihren Bauch tippte und mit jedem Stoß wich sie etwas zurück. Es sah aus als würde Cindy die Frau vor sich her treiben.
„Nein, ehrenwerte hochverehrte Gefeuerte, ich habe euch nicht vergessen ich bin reisefertig und warte schon seit Stunden auf euch,“ beeilte sich Afra zu versichern.
Trotz aller Angespanntheit musste die anderen Krieger schmunzeln. Afra hatte es nicht so mit den Titeln und verwurschtelte schon mal die korrekte Ansprache. Seltsamer Weise nahm es niemand dieser Frau übel und auch Cindy musste mit Mühe ernst bleiben.
Afra blieb jetzt abrupt stehen und Cindy lief in die Frau hinein.
„Ich nehme kein Pferd, warum sollte ich ein Pferd nehmen das mich nur behindern würde und warum soll ich meinen Rucksack nehmen, was ich brauche trage ich bei mir und den Rest besorge ich mir und schau Ehrenwerte,“ Afra zog ihr großes schweres Messer aus dem Leder in ihrem Rücken und hielt es Cindy unter die Nase, „schau, ich bin doch bewaffnet“
Cindy drehte sich kopfschüttelnd ab: „du bist ein hoffnungsloser Fall.“
Plötzlich drehte sie sich noch einmal um und drohte Afra: „Wenn Lilly etwas zustößt weil du dachtest es geht auf einen Spaziergang, dann gehe lieber freiwillig in den Hodscha denn wenn ich dich dahin schicke wird es kein Vergnügen für dich sein.“
„So sei es,“ Afra deutete eine Verbeugung an, legte die Hand zuerst auf ihre Brust, dann auf die Lippen und danach an die Stirn.

Die Amazonen begleiteten Lilly und Afra noch bis zum Gebirgstal. Unterwegs kamen sie an verschiedenen Siedlungen vorbei und jedes Mal wurden sie von den Nomaden Amazonen freundlich begrüßt. Manchmal rannte eine Schar Kinder eine Weile neben ihnen her und spielten mit Afra. „Afra du stinkst,“ sangen sie und rannten dann schleunigst davon. Afra tat so als würde sie die Kinder verärgert jagen, griff sich einen Stock und schlug immer knapp daneben. Ein Gelächter und Gekreische war die Folge. Schlussendlich zogen sich die Kinder wieder zurück und je näher man dem Tal kam desto ruhiger und einsamer wurde es.
Endlich, nach einer mahnenden letzten Ansprache kehrten die Amazonen um nicht ohne dass jede noch einmal Lilly in den Arm genommen und ihr Glück gewünscht hatte. Afra ließ sie gewähren und dreht sich dann wortlos um und marschierte auf das Felsmassiv zu. Einmal drehte sie sich um und wartete auf Lilly. Als sie sah dass der Wolf aus dem Sanctum neben Lillys Pferd mit lief, ging sie stampfend auf den Wolf los.
„Hau ab, geh nach Hause das ist nichts für dich.“
Masandro der Wolf wich geschickt aus und hielt in einigem Abstand an und beobachtete.
„Hau ab,“ scheuchte Afra weiter.
Lilly die auf ihrem Pferd in Augenhöhe mit Afra war holte aus und traf Afra mit dem Fuß am Oberarm.
„Halt den Schabel Afra, Masandro ist mein Freund und der begleitet mich.“
„So,“ bäffte Afra zurück, „und wer passt auf den auf? Ich vielleicht?“
Lilly richtete sich selbstbewusst auf dem Rücken ihres Pferdes auf und sprach dann so wie sie es von Cindy abgeschaut hatte mit zusammen gekniffenen Augen: „Hör zu Afra, weit und breit bin ich die einzige wahre Kriegerin hier,“
„Hääää,“ wurde sie von Afra unterbrochen und Afras Stimme klang überhaupt nicht mehr gemütlich.
„Siehst du außer mir sonst noch eine Kriegerin,“ fragte Lilly trotzig und als Afra nur stumm den Kopf schüttelte fuhr Lilly in einem überheblichen Ton fort: „ und da du keine Kriegerin bist wie du selbst festgestellt hast sondern nur,“ und das „nur“ betonte sie besonders deutlich, „ nur eine Jägerin stehe ich im Rang über dir und du hast dich nach meinen Anweisungen zu richten.“
„Häääää?“ Afra kratzte sich am Kopf, „heiliger Schamanenfurz ich…“
Gerade als Afra mit der Hand ausholen wollte um Lilly vom Pferd zu hauen schwirrte etwas um den Kopf von Afra.
„Benehmt euch und vertragt euch,“ piepste die Stimme, „ihr habt einen Auftrag zu erfüllen,“ piepste es weiter und hielt schwirrend in der Luft wie ein Kolibri vor den Augen Afras. Erschrocken wedelte Afra mit den Händen vor ihrem Gesicht herum aber der Kolibri wich pfeilschnell aus.
„Was ist das … „ stotterte Afra und bereute es schon dass sie gestern Nacht von dem noch nicht vergorenen Vogelbeersaft etwas zu viel getrunken hatte.
„Das ist Tinkerbell, die Elfe und auch meine Freundin,“ rief Lilly freudig aufgeregt.
„Elfen gibt es nicht,“ maulte Afra und lies das flatternde Ding nicht aus den Augen, „das ist doch nur ein fauler Zauber, du willst mich wohl damit beeindrucken.“
Kaum hatte Afra den Satz beendet schoss die angebliche Elfe blitzschnell nach vorne und stach Afra ins Ohr.
„So, mich gibt es nicht, ich helf` dir fauler Zauber,“ piepste es in Afras Ohr und stach noch einmal zu.
Afra drehte sich herum und lief so schnell wie sie noch nie jemand hatte laufen sehen zum Berghang hin, dort wo ein Bach sich sammelte und einen kleinen See gebildet hatte. Dort angekommen warf sich Afra auf den Boden und steckte ihren Kopf unter Wasser. Afra blieb so lange unter Wasser dass Lilly und ihre Freunde bereits das Schlimmste befürchteten als sie an der Stelle dort ankamen. Ratlos schauten sie sich an, Masandro jaulte, Tinkerbell flatterte aufgeregt hin und her und gerade als Lilly vom Pferd steigen wollte erhob sich Afra. Sie schüttelte ihre lange Mähne und rieb sich die Augen. Lilly war noch da, der Wolf war noch da und die angebliche Elfe war auch noch da.
Die große Frau schlug sich mit den Händen ins Gesicht und riss wieder die Augen auf. Immer noch alle da. dann drehte sie sich um und ohne sich um die anderen zu kümmern lief Afra laut betend dem Pass entgegen.
„Schau Pallas… oder wer immer mir gerade zuhört da oben, ich bin kein schlechter Mensch,.. ich bin vielleicht nicht das beste Beispiel was den Glauben angeht und ich gestehe auch dass ich der Priesterin nicht immer zugehört habe … aber ich schwöre ich habe der Göttlichen immer treu gedient. Warum werde ich jetzt so gestraft.
So murmelte sie ein Gebet nach dem Anderen im Monolog in den Himmel bis es dunkel wurde und sie ihr erstes Nachtlager errichten mussten.


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Re: Der Fluch des Blutes

Beitragvon Atrista » 27.08.2015 15:23

Hekim Afra

Endlich nach mehreren Tagen im Gebirge hatten sie im Morgengrauen die Talsohle eines Hochgebirgstals erreicht. In den vergangenen Tagen hatte Lilly Anführerin gespielt, hatte Afra herumgescheucht, sie zum Holz sammeln geschickt und sich Fleisch braten lassen. Für Afra war es eine Abwechslung und sie ließ Lilly gewähren. Es war ein deutlicher Unterschied zu den Reisen bei denen sie alleine im Gebirge unterwegs war. Bei der letzten Geröllhalde hielt Afra an und wartete bis die anderen aufgeschlossen hatten. Als Lilly ihr Pferd neben Afra zum Stehen brachte hob Afra den Arm und zeigte in die Ferne. Ziemlich verschwommen konnten man dort an der Horizontlinie ein paar Feuer und Irrlichter erkennen.
„Die Tschurok?“ fragte Lilly erregt
„Nein,“ antwortete Afra mit ihrem ruhigen Bass, „das Gebiet der Tschurok liegt noch einmal so etwa zwei Tage hinter diesen Feuer.“
„Also, sind das da vorne keine Feinde,“ fiel Lilly der erfahrenen Jägerin etwas altklug ins Wort.
„Du irrst große Kriegerin,“ schmunzelte Afra, „ hier hinter dem Gebirge ist alles Feindgebiet, zumindest wird man hier keine Freudenfeuer anzünden wenn Amazonen hier auftauchen.“
Afra ließ eine längere Pause ihren Worten folgen damit Lilly Zeit hatte zu verarbeiten was sie hörte. Lillys Augen wanderten suchend über das Gras, vor und zurück aber außer den Feuern in der Ferne konnte sie nichts entdecken was sie beunruhigen würde.
„Wir werden also versuchen die Feuer zu umgehen, richtig?“
„Nein im Gegenteil,“ antwortete Afra ruhig, „wir werden genau dort hin gehen.“
„Hmmm..“ war alles was Lilly von sich gab.
Afra beobachtete den Sanctumswolf wie er die Umgebung erkundete. Vielleicht ist es doch gar nicht so übel ihn dabei zu haben dachte sich Afra.
„Warum willst du dorthin wo die Feinde sind,“ fragte Lilly lauernd, „nicht dass mich dies beunruhigen würde aber ich möchte nur sicher gehen, dass die Gedanken einer einfachen Jägerin richtig sind.“
Arroganz und Überheblichkeit trieften aus jedem Wort. Bevor Afra den Gedanken, Lilly jetzt vom Pferd zu hauen weiter dachte schaute sie sich erst mal vorsichtig nach diesem Kolibri um. Von dem Flatterwesen war nichts zu sehen und so drehte sich Afra langsam zu Lilly um. Masandro der Wolf saß plötzlich beobachtend da, wenn auch im respektablen Fluchtabstand und das typische Flattergeräusch war auch plötzlich im Rücken zu vernehmen. Afra verwarf den Gedanken alle drei zu erschlagen. Sie wüsste auch nicht wie sie der Kriegerin des Feuers den Tod von Lilly und des Wolfes erklären sollte. Ob jemand von Tinkerbell wusste konnte sie sich jetzt nicht beantworten.
„Ob meine Gedanken richtig sind willst du wissen?“
Lilly nickte nur mit dem Kopf den sie in beide Hände am Hals ihres Pferdes gestützt hatte und wippte gnädig und lässig wartend mit einem Fuß.
Afra machte eine weite ausladende Geste mit ihrem Arm und zeigte in das Tal vor ihnen.
„Wir sind hier noch nicht in der Ebene. Das hier ist noch die Hochebene und die Ausläufer des Gebirges da hinter uns. Das ganze Land hier war einmal sehr umkämpft. Hier hatte Atrista die göttliche die Horden der Khans in eine Falle gelockt und sie vor sich her in das Gebirge getrieben. Und obwohl zahlenmäßig weit unterlegen wurden die Angreifer von den Amazonen regelrecht abgeschlachtet. Dabei hatte Atrista keine oder nur wenig Rücksicht auf die hier lebenden Nomaden genommen. Beinahe jede Familie hat irgendwelche Tote zu beklagen die durch den Befehl Atrista´s gefallen sind. Obwohl diese Massaker jetzt schon mehrere hundert Jahre zurückliegen haben es die Völker hier nie vergessen. Diese Stämme und Clans könnten sich jetzt den Chinesen anschließen die, wie man hört auf dem Weg hier her sind.“

Afra machte eine Pause und wartete auf irgend eine Äußerung von Lilly. Diese war aber seltsam ruhig geworden und sah sehr nachdenklich aus.
„Wir haben aber einen Auftrag zu erledigen der tief in diesem Gebiet liegt und zu den Jagdgründen der Tschurok gehört. Die Tschurok aber jagen aus den verschiedensten Gründen mich. Jetzt kannst du dir vorstellen wie froh ich bin eine so große und tapfere Kriegerin bei mir zu haben.“
Wieder machte Afra eine Pause aber von Lilly kam kein einziger Ton.
„Wir müssen dein Pferd los werden. Du wirst nicht wollen dass wir es irgendwo im Wald anbinden wo es von Bären gefressen wird. Mit diesem Pferd sind wir einfach nicht unsichtbar genug in der Grassteppe. und dort hinten,“ Afra deutete auf die Feuer, „werden wir dein Pferd sicher unterbringen.“

„Ich soll mein Pferd dem Feind übergeben?“ empörte sich Lilly
Afra lachte: „sagen wir es mal so, wir lassen den Feind auf dein Pferd aufpassen während wir auf der Jagd sind.“
Inzwischen war die Gruppe wieder aufgebrochen und hielt stur auf die Feuer zu.
„Da vorne verläuft die alte Handels- und Karawanenstraße,“ erklärte Afra weiter, „und genau da wo die Feuer sind liegt Han Hadschid. In der Karawanserei sind wir zunächst sicher weil dort keine Kämpfe ausgetragen werden dürfen. Aber komm wir wollen uns beeilen damit wir zur Mittagszeit dort sind.“
Afra begann zu laufen. Sie legte ein unglaubliches Tempo vor.
Drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, in diesem festen Rhythmus konnte Afra stundenlang mit hohem Tempo laufen. Lillys Pferd begann schon zu Flocken und zeigte deutliche Spuren von Erschöpfung aber erst als sie schon fast vor den Mauern des Hans waren nahm Afra das Tempo heraus und ließ auch das Pferd langsam auslaufen.
Afra hatte sich getäuscht. Auch zur Mittagszeit war reges Leben. Karawanen brachen auf und andere zogen durch das Tor in den Schutz der Mauern. Lilly war angesichts der gewaltigen Mauern und des befestigten Tores und der vielen Fremden ganz mulmig.
„Du fällst weniger auf wenn du vom Pferd absteigst und neben her läufst,“ zischte Afra Lilly zu.
Lilly hüpfte sofort vom Rücken ihres Pferdes und drückte sich an Afra während sie ihr Pferd an dem Zügel führte. Afra`s Weg führte zu der Kommandantur um dort einen Platz zugewiesen zu bekommen. Fast hatten sie die Treppe des Gebäudes erreicht als plötzlich hinter ihnen ein Geheule losging.
„Lillllilililililil….“ kreischten und trillerten die Weiber und schlugen so Alarm. „Die Skalpjägerin!!“ hallten die Rufe über den Hof und innerhalb weniger Sekunden war der Hof menschenleer und alle waren irgendwie in irgendeinem Versteck. Afra war sich sicher, dass aus den Verstecken heraus fast jeder der eine Waffe trug diese auch auf die kleine Gruppe gerichtet hatte. Nur das Gebot der kampffreien Zone verhinderte im Augenblick schlimmeres. Lilly spürte das Blut pochen und in ihrem Kopf rauschte es und sie verfluchte sich dass sie unbedingt dabei sein wollte. Ihr Respekt vor Afra wuchs ins unermessliche. Alleine ihre Erscheinung versetzte ganze Clans in Angst und Schrecken. Die Weiber hatten Afra erkannt. Es gab nur eine die so groß war und zottlige Haare hatte die bis in den Staub reichten. Hinter den Mauern und hinter den Zeltwänden schwoll das Getriller wieder an: „Lillililililili…“ der kopfhohe Trillerton der durch Zungenschlag und Luft aus der Kehle erreicht wurde war so eindringlich dass er hätte Tote wecken können. Lilly hatte sich mit ihren Händen im Leder von Afra festgekrallt und schaute ängstlich herum.
Die Türe der Kommandantur wurde aufgerissen und ebenso breiter wie hoher Mann im dreckigen Kaftan zwängte sich durch die Öffnung um nach dem Rechten zu sehen. Er wollte gerade etwas sagen als sein Blick auf Afra fiel: „Die, die, die Skalpjägerin,“ stotterte er und schaute sich besorgt um. Blitzartig war er wieder im Haus und schlug die Türe zu. Nach kurzer Zeit öffnete sich die Ausgucks Luge in der Türe und das Gesicht des Kommandanten erschien. Seine Augen wanderten über den Hof von rechts nach links.
„Wo, wo sind die anderen,“ krächzte er
„Welche anderen?“ fragte Afra seelenruhig zurück.
„Na, deine Armee, dein Clan, die Horden der wilden Reiter“
Afra zeigte auf sich und Lilly: „Wir sind alleine.“
„Alleine?,“ krächzte das Gesicht und räusperte sich heftig um dann noch Mal mit etwas festerer Stimme zu fragen: „Alleine?“
Afra nickte stumm.
„Du hast Nerven,“ keuchte das Gesicht. Deutlich waren im Inneren des Hausen Stiefel Getrampel zu hören und Afra wusste, dass sich einige bewaffnete jetzt hinter ihrem Kommandanten versammelten. Auch Lilly blieben die Aktivitäten im Haus nicht verborgen und sie zupfelte aufgeregt am Gürtel von Afra.
„Du,“ flüsterte sie gerade so laut dass Afra sie hören konnte, „ich habe das nicht so gemeint als ich sagte ich sei die einzige wahre Kriegerin. Ich habe nur Spaß gemacht.“
Afra legte eine Hand beruhigend auf ihren Kopf: „Ich weiß,“ sagte sie nur und ging die paar Stufen hinauf bis vor die Türe. Fluchtartig und schnaufend zog sich das Gesicht zurück und hinterließ eine leere Luge.
Afra lehnte sich an die Türe und sprach leise in die Öffnung: „großer erhabener Emir, Kommandant über tapfere Kämpfer willst du mich gefangen nehmen oder willst du den Ruhm diesen feigen Schakalen da hinten überlassen. Bedenke, dein Ruhm wird größer sein als der des Padischahs und um die ganze Welt eilen.“
Das Gesicht zeigte sich wieder in der Luge: „du begibst dich freiwillig in meine Gefangenschaft?“
Afra nickte ohne ein Wort zu sagen
„Du wirst keinen meiner Leute angreifen und auch nicht mein Haus zerstören?
„oh du Bündel und Ausgeburt an Weisheit und Tapferkeit, was könnte ich und meine Begleiterin gegen dich und deine Männer ausrichten?“
„Da hast du natürlich recht,“ der Emir und Kommandant versuchte seiner Stimme einen festen Klang zu geben.
„Dann öffne doch deine Türe und lass mich eintreten.“
„Du wirst …, du gibst mir dein Wort?“
„Ja, ich gebe dir mein Wort oh gütiger Emir,“ Afra begann sich zu langweilen, so viel Tapferkeit auf einem Haufen war ihr noch selten begegnet.
Die Türe öffnete sich langsam, erst einen Spalt breit und als der Emir merkte dass nichts passierte ließ er die Türe ganz aufschwingen. Afra zog Lilly mit sich ins Haus. Wäre die Lage nicht so ernst gewesen hatten wohl beide auch laut losgelacht. Der tapfere Emir stand in respektablem Abstand hinter vier heruntergekommen fast verhungerten Nomadenkämpfer die so ausgemergelt aussahen als würden sie gerade sterben.
Afra räusperte sich: „bedenke oh tapferer Emir, jetzt wo du mich gefangen genommen hast, jetzt gehört dir auch unsere Habe. Willst du unser Pferd nicht in deinen Hof führen?“
Jetzt erst begriff Lilly wie Afra die sichere Unterbringung ihres Pferdes bewerkstelligen wollte.
So langsam fasste der Emir Mut und wagte sich aus der Deckung und trat vorsichtig einen Schritt nach vorne.
„Du bist meine Gefangene, Gegenwehr ist zwecklos und würde nur deinen Tod bedeuten.“
„Mein Leben liegt in deinen Händen und ich bin alleine deiner Gnade ausgeliefert,“ unterbrach Afra leise aber bestimmt, „aber das Pferd..“
Auf einen Wink drängten sich zwei der tapferen Kämpfer ganz eng an die Wand und langsam an Afra und Lilly vorbei nach draußen um das Pferd in den Hof der Kommandantur zu führen. Afra wusste dass der Wolf dem Pferd folgen würde und machte sich keine weiteren Gedanken. Kurz entschlossen lief sie am Emir und seinen zwei Schergen vorbei ins Haus und zog Lilly mit sich. Der Raum in den sie jetzt kamen war mit Teppichen und Fellen großzügig ausgelegt. Überall lagen Kissen herum und Afra ließ sich einfach auf einem Kissen nieder. Sie gab Lilly ein Zeichen es ihr gleich zu tun. Der Emir walzte hinterher und war unschlüssig was er tun sollte.
„Setz dich!“ kommandierte Afra und wartete bis sich der Emir hingesetzt hatte.
„Jetzt schicke deine Leute hinaus damit wir alleine sind.“
„Du, du hast versprochen …“
„Ja, Ja,“ unterbrach Afra, „Aber was ich dir jetzt sage ist nur für deine Ohren bestimmt.“
Zögerlich schickte der Kommandant seine Leute hinaus und dann schaute er ängstlich abwartend auf Afra. Diese kramte aus ihrem Beutel am Gürtel ein gefaltetes Pergament heraus und reichte es dem Emir.
Der Emir riss die Augen auf als er das Siegel des Padischahs erkannte.
Sofort küsste er das Siegel und führte dann das Schreiben an seine Brust und dann an seine Stirn und reichte es an Afra zurück.
„Ja, willst du es nicht lesen, willst du nicht wissen was der Padischah mir bescheinigt hat?“
„Ich bin der Emir, du wirst es mir vorlesen.“
Afra ging nicht weiter darauf ein. Der Emir konnte kein Pergament lesen und Afra steckte alles wieder zurück in ihren Beutel.
„Was denkst du Emir wird der Padischah sagen wenn er erfährt dass du seine Schutzbefohlene Freundin gefangen genommen hast. Und das in einer Karawanserei.“
Dem Emir fiel die Kinnlade nach unten, er wusste nicht was er darauf antworten sollte und Afra fuhr unbeirrt fort: „Was denkst du wird der Padischah mit dir tun wenn er erfährt dass du damit die Erfüllung eines wichtigen Auftrags verhindert hast?“
„Du, du, du hast einen Auftrag des Padischahs?“
Afra nickte langsam und wichtig mit dem Kopf.
„Beim Barte des Propheten,“ entfuhr es dem Emir und jetzt war es an der Zeit wo Lilly der Mund offen stehen blieb. Die junge Kriegerin war sprachlos.
„Ich verzeihe dir,“ sagte Afra großzügig, „aber jetzt wäre es an der Zeit uns mit einem herrlichen Mahl zu beglücken.“
„Ich bin totunglücklich,“ krächzte der Emir, „Aber die Blume meines Herzens, die Schönste der Steppe, mein guter Geist kann kein Mahl bereiten. Der böse Geist ist in ihren Mund gefahren und sie heult vor Schmerzen.“
„Oh Emir du Herr über Kämpfer und tapferer Kommandant führe mich zu deiner Blume vielleicht kann ich ihr helfen.“
Afra folgte dem Emir in eine Stube im Obergeschoss. Lilly folgte einfach und blieb ständig an der Seite von Afra. Der Raum war abgedunkelt und auf dem Boden kugelte ein rundes Bündel. In der Leibesfülle stand dieses Bündel dem Emir in nichts nach. Um den Kopf herum hatte die Blume ein Tuch gewickelt so dass nur ein gedämpftes Wimmern zu hören war. Afra ging in die Hocke und wickelte das Tuch vom Kopf der Frau. Ein elender Gestank kam aus dem Mund der Frau und Afra wich angewidert zurück.
„Du stinkst wie die Hölle aber öffne trotzdem mal deinen Mund und lass mich schauen.“
Afra griff der Frau mit ihren großen Händen in die Backenmuskeln und drückte so den Mund auf. Dann drehte sie den Kopf der Frau zum Licht und schaute hinein. Es war nicht schwer festzustellen was für ein böser Geist da rein gefahren war. Ein Zahn war umringt von Eiterbollen und der Kiefer war geschwollen.
„Ich kann ihr helfen,“ wandte sie sich an den Emir, „bring mir ein Beißholz, eine Karaffe Wasser und einen Spucknapf“
Kurze Zeit später war alles gerichtet. Afra ließ dem Emir und der Frau keine Zeit für Fragen und zwängte das Holz in den Mund. Dann griff sie beherzt in den Mund drückte die Eiterblasen auf und zog dann mit einem Rück an dem Zahn. Den Zahn ließ sie in den Spucknapf fallen und dann beeilte sie sich aus dem Zimmer zu kommen. Der Gestank war unerträglich. Von der Türe aus gab sie der frau den Befehl kräftig zu spülen und zu spucken. Lilly lief würgend hinter Afra her. Unten angekommen setzten sie sich wieder auf den Boden. Lilly schaute sich um und als sie bemerkte dass sie für einen Augenblick alleine waren flüsterte sie zu Afra: „was treibst du da? Was hat das alles zu bedeuten?“
Afra legt einen Finger auf die Lippen: „Psssst, ich erkläre dir alles später.“
Nach einer kleinen Weile kam der Emir die Treppe herunter und kniete sich vor Afra hin.
„Ich wusste ja nicht dass du eine Hekim bist. Du hast die Blume meines Herzens befreit vom bösen Geist. Wir stehen tief in deiner Schuld, verlange von mir was du willst.“
„Ich erwarte von dir dass du mir und meiner Begleitung einen sicheren Schlafplatz zuweist, damit diese feigen Schakale da draußen mich nicht stören.“
Der Emir nickte dienstbeflissen als hätte der Padischah persönlich eine Order gegeben.
„Du wirst weiter dafür sorgen, dass ich und meine Begleitung morgen früh, noch bei Dunkelheit diese Karawanserei ungesehen verlassen können damit ich meinen Auftrag erfüllen kann.“
Der Emir nickte
„Du wirst auf unser Pferd aufpassen. Ich lasse es in deiner Obhut. Ich weiß da ist es sicher und diese Dummköpfe da draußen mögen denken ich sei noch immer in deiner Gewalt.“
Der Emir lag auf den Knien mit der Stirn am Boden.
„Jetzt weiß ich warum der Padischah ausgerechnet dich ausgesucht hat um einen Auftrag zu erfüllen. Deine List ist ohne Gleichen. Du kannst dich auf mich verlassen und ich hoffe du wirst meine Bereitschaft wohlwollend erwähnen wenn du wieder im Palast bist.“
Afra bejahte und folgte mit Lilly dem Emir in ein Schlafgemach.


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Re: Der Fluch des Blutes

Beitragvon Atrista » 28.08.2015 13:47

Ein Teufelsritt

Vor zwei Tagen war die kleine Gruppe unbemerkt aus der Karawanserei aufgebrochen. Seit zwei Tagen liefen sie schweigend nebeneinander her. Lilly hatte Mühe dem Tempo der großen Frau zu folgen und brauchte öfters eine Pause. Wenn Lilly so neben Afra herlief, die Hände in die Hüften gestemmt, die Augen zu Schlitzen verengt dann dachte sie nach. Seit zwei Tagen grübelte sie und dachte nach. Afra hatte es bisher so gehalten, dass sie in der Nacht marschierten und tagsüber ruhten. Das war die beste Möglichkeit ungesehen sehr weit in das Land zu kommen. Auch jetzt hatte Afra in der Morgendämmerung eine Mulde gefunden die sich für eine längere Rast hervorragend eignete. Im Rücken war eine steile Felswand und Drumherum war die Mulde umgeben von dichtem Blätterwerk. Es sah aus wie eine Bärenschlafstelle und Afra kroch auf allen Vieren durch diese Vertiefung und schnüffelte. Kein Geruch deutete darauf hin dass hier vor kurzem ein Bär gelegen hätte. Auch war nirgend frischer Dung zu sehen und zu riechen. Sie gab der Gruppe ein Zeichen dass man sich hier niederlassen würde.
„Hier bleiben wir vorerst einmal. Heute Nacht werden wir versuchen die Tschurok zu beobachten. Vielleicht geben sie uns ja einen Hinweis wo wir das Biest finden können.“
Lilly warf ihr Bündel vom Rücken. Sie wollte noch irgendwie die Rolle etwas an den Rand richten schaffte das aber nicht mehr. Sie fiel vornüber in das Bündel Felle und war sofort tief eingeschlafen.
Afra überlegte kurz ob sie Lilly wieder aufscheuchen sollte um sie Wasser suchen zu schicken aber diesen Gedanken verwarf sie. Sie machte es sich ebenfalls bequem, nahm noch ein paar Streifen getrocknetes Fleisch aus dem Bündel und kaute langsam darauf herum. In den letzten Tagen hatte sie ein wenig Vertrauen gefasst in die Instinkte des Wolfes. Der würde zuverlässig Gefahr ahnen und warnen. Auch der Kolibri hatte sich als nützlich erwiesen. War irgendetwas in der Umgebung was nicht normal erschien dann flatterte dieses Ding ganz aufgeregt um Afra herum. Also für Afra war das Versteck gut und mit den Beiden als Wächter konnte sie sich unbesorgt schlafen legen.

Spät am Nachmittag weckte Afra Lilly. Afra setzte sich an die Seite von Lilly und reichte ihr ein Stück von dem Trockenfleisch. Lilly setzte sich im Schneidersitz vor Afra.
„Sag mal,“ begann sie kauend, „erzähl mir mal was du für einen Auftrag vom Padischah hast. Eigentlich interessiert es mich nicht solange du den Auftrag von Cindy erfüllst, darauf bestehe ich,“ forderte sie etwas großspurig.
Gerade als Afra anfangen wollte etwas zu sagen warf Lilly noch ein: „im Übrigen bin ich sehr zufrieden mit dir. Alle Achtung du hast die Situation ohne Blutvergießen gemeistert und ich musste nicht einmal eingreifen. Ich werde das bei Cindy lobend erwähnen. Aber jetzt zum Padischah. Du hättest das natürlich vorher mit mir besprechen müssen. Ich hätte von deiner Legitimation wissen müssen. Also was ist damit? was ist Inhalt des gesiegelten Schreibens?
Afra beschloss Lilly bei nächster Gelegenheit dem Feind zu überlassen und in Gedanken formte sich auch schon ein Plan. Äußerlich völlig ruhig antwortete sie: „Ich habe keinen Auftrag vom Padischah und meine Legitimation ist ein gesiegeltes leeres Pergament. Das Siegel allerdings ist echt, das habe ich einmal einem Botenreiter abgenommen.“
„Keinen Auftrag!,“ echote Lilly und während Afra den Kopf schüttelte zur Bestätigung krächzte Lilly mit einem dicken Frosch im Hals, „leeres Pergament?.“
Erst jetzt wurde es Lilly so richtig bewusst in welcher Gefahr sie geschwebt hatten und irgendwie sackte sie in sich zusammen und stotterte: „Was hättest du gemacht wenn der Emir das Pergament auseinander gefaltet hätte?“
„Dann hätte ich ihn leider erschlagen müssen.“
„Du, …, du, hättest ihn erschlagen?“
Afra nickte nur.
„und ich,“ piepste Lill, „hätte dich dann wieder raushauen müssen. Wir hätten dann die vier angestellten Wächter erschlagen und wären dann über den Hinterausgang geflüchtet.“
Afra nickte: „ja, so ungefähr hatte ich es mir vorgestellt.“
Lilly sprang von ihrem Sitz auf und baute sich vor Afra auf, stemmte die Fäuste in die Hüften und wippte mit dem Fuß.
„gibt es sonst noch etwas das ich wissen sollte?“
Afra war sich jetzt ganz sicher, Lilly wird dem Feind in die Hände gespielt. Nach einer kurzen Pause sagte Afra dann, „Ja, wir behalten dieses Lager für den Rest unserer Zeit hier, wir können also alles liegen lassen, wir gehen bei Dunkelheit los und schauen wo die Tschurok sind.“
Afra und Lilly warteten ab bis der Mond aufgegangen war und sich dann hinter ein paar Wolken versteckte. Eine schöne satte Dunkelheit legte sich über das Land. Afra schlug einen kleinen Bogen um auf den Felsen zu kommen der das Lager nach hinten gut sicherte. Oben angekommen legte sie sich auf den Boden und spähte in die Ferne. Sie bedeutete Lilly es ihr gleich zu tun. Erst als Lilly neben ihr lag begann sie flüsternd zu erklären: „Wenn wir sitzen dann zeichnen sich unsere Körper im Sternenlicht oder auch im Mondlicht als Silhouetten vom Felsen ab. Deswegen liegen wir hier und wir flüstern, weil in der Nacht der Schall in das Land getragen wird.“
„Gut,“ flüsterte Lilly zurück, „so hätte ich es auch gemacht“
„Siehst du,“ flüsterte Afra und zeigte mit dem Finger in die Ebene vor ihnen, „jedes Feuer da unten bedeutet ein Lager.“
Zahlreiche Feuer waren über die ganze Ebene verteilt. Erst als die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten konnte man die einzelnen Feuerstellen voneinander unterscheiden.
„Das sind aber ziemlich viele Feinde da unten,“ flüsterte Lilly, „hast du schon einen Plan?“
„Ja, wir locken das Biest weg von der Grasebene in unser Lager. Töten es und eilen so schnell es geht ab nach Hause.“
„Einfach so?“ fragte Lilly, „wie willst du das Viech in unser Lager bekommen?“
„Wir gehen zu dem Lager das dem Waldrand am nächsten ist, klauen dort ein Rind und bieten es hier im Lager an.“
„Du sagst dem Rind, dass es mit dir gehen soll?“
„Ja,“ flüsterte Afra, „aber schau mal was da passiert.“
Aus mehreren Lager hatten sich kleine Lichter gelöst und in einem großen Halbkreis bewegten sich die Lichter auf den Waldrand zu. Das Gejohle und Gekreische war bis auf die Felsenanhöhe zu hören.
„Was machen die da?“ fragte Lilly nicht mehr so ganz leise.
„Ich denke sie jagen,“ sagte Afra und bemühte sich jetzt auch nicht mehr zu flüstern, „ahhhh jetzt werden sie gejagt, schau mal, das schauen wir uns aus der Nähe an.“ Afra kicherte in sich hinein.
Irgendetwas war dort unten passiert, denn plötzlich löste sich die Halbkreisformation auf und stob in alle Himmelsrichtungen auseinander. Wahrscheinlich hatte sich das Biest umgedreht und wurde zum Angreifer. Afra und Lilly begannen den Abstieg in die Ebene. Der Rückweg war einfacher weil man ja nicht mehr auf den Felsen musste. Als sie auf eine Lichtung traten schob sich der Mond hinter einer Wolke hervor und beleuchtete die Fläche vor ihnen.
Afra legte einen Finger auf die Lippen und bedeutet Lilly höchst aufmerksam und leise zu sein.
„Wir haben Glück,“ flüsterte sie, zeigte mit dem Arm nach vorne, „dort ist zwar kein Lager, aber eine Herde und wo eine Herde ist da sind Wächter.“ Afra ging in die Hocke und Lilly duckte sich automatisch mit.
Als sie dann weiter gehen wollten stoppte Afra plötzlich und zeigte auf einen Dunghaufen vor sich. Wieder gingen beide in die Hocke.

Die Augen der großen Frau huschten wie die Irrlichter eines Sternes in der Nacht durch das Geäst. Afra suchte die Umgebung ab und sicherte ihren Standort so wie sie es immer tat bevor sie sich auf etwas anderes konzentrierte. Diese Art der Eigensicherung lag der Jägerin im Blut. Sie tat es automatisch und ohne groß darüber nachzudenken. Ihre Augen nahmen die Konturen der Bäume und Büsche in sich auf, jederzeit bereit sofort zu reagieren falls auch nur eine Winzigkeit von der üblichen Natur abwich. Die große Lichtung vor ihr war mit halbhohem Gras bewachsen und das Gras wog sich im sanftem Wind wie unzählige kleine Tänzerinnen die sich dem Klang der großen Melodie hingaben. Lies der Wind das Rauschen der Bäume anschwellen bogen sich die Körper der Tänzerinnen fast bis auf den Boden und wurde der Gesang leiser dann streckten sich die Körper mit leichtem Zittern in die Höhe als wollten sie den Göttern des Lichtes einen Gruß schicken. So sehr die Augen suchten, sie konnten nichts entdecken was diese Harmonie gestört hätte.
Die Jägerin schloss ihre Augen und lauschte. Wäre da auch nur das Atmen eines Lebewesens gewesen sie hätte es gespürt. Die Gabe mit verschlossenen Augen die Umgebung viel sensibler wahr zu nehmen hatte die große Frau erst vor kurzen erworben und war durch ein beinahe todbringendes Ritual gegangen. Als Tharhat, Jägerin des Todes, war sie aus diesem Ritual hervorgegangen und setzte damit eine Tradition eines alten und ausgestorbenen Volkes fort. So sehr sich Afra auch anstrengte, sie spürte nicht die Anwesenheit irgendeiner Kreatur die Gefahr bedeuten würde. Aber sie hatte in der Ferne ein Geräusch gehört. Dort tief im Gras lief jemand mit gleichmäßigen Schritten auf steinigem Boden. Das Geknirsche verriet Afra ungefähr wo die Wächter sind
Afra öffnete wieder ihre Augen und schaute auf den großen Dunghaufen vor sich. Dieser Haufen Dung war auch der Grund gewesen warum sie ihren Weg zur Lichtung stoppte. Sie beugte ihren Kopf nach vorne und schüttelte ihren Kopf. Die Haare und Zöpfe die ihr fast bis zu den Knien reichten baumelten vor ihr herum und bildeten ein langes Knäuel. Mit dem rechten Arm fing sie das Knäuel auf und warf es sich über die Schulter. Immer noch den Blick aufmerksam in die Umgebung gerichtet ging sie langsam in der Hocke vorwärts um sich den braunen, leicht verkrusteten Haufen genauer zu betrachten. Ohne den großen Haufen genauer untersucht zu haben wusste Afra sofort, dass sie die Spur zum Biest gefunden hatten. Das da waren nicht die Exkremente einer Bärin. Ein Bär ließ seine Verdauung oft aus großer Höhe, stehend fallen und der Fladen verteilte sich breiartig und flach auf der Erde. Der Dunghaufen den Afra vor sich hatte war groß und aufgetürmt, war also aus sehr niedriger Höhe gefallen. Welches niedrige Tier konnte so einen riesigen Haufen hier ablegen. Das Tier muss hier verweilt haben denn es waren keine weiteren Dunghaufen verteilt. Afra fuhr mit den Fingern der rechten Hand sanft über den Haufen und drückte dann leicht in den Haufen hinein. Der Dicke der Kruste nach muss dieser Dung schon mindestens einen halben Tag hier liegen, nicht länger denn unter der Kruste war es noch weich und faserig. Ein Fleischfresser und Afra roch an ihren Fingern.
„Tschar Lupus“, murmelte die Jägerin vor sich hin und wusste jetzt, dass sie einen Wolf vor sich hatte. Das hier aber musste ein
außergewöhnlich großer Wolf gewesen sein und wieder suchte sie vorsichtig die Umgebung ab.
„Wir haben nochmals Glück,“ flüsterte sie in Lillys Ohr, „wir sind im Revier des großen Wolfes. Komm wir holen uns jetzt das Rind.“
Geduckt liefen sie am Rand der Lichtung entlang bis sie eine große dunkle Fläche erreichten. Dann eilten sie geduckt über die Lichtung und standen plötzlich im kniehohen Gras. Afra warf sich sofort auf den Boden und zog Lilly mit sich hinter ihnen hörte Afra ebenfalls ein leichtes plumpsen. Masandro der Wolf war ihnen gefolgt und lag dort im Gras. Auf seinem Rücken saß der Kolibri. Für eine Reaktion war keine Zeit mehr denn grade in diesem Augenblick kamen zwei Wächter auf ihrem Rundgang vorbei. Sie unterhielten sich leise und achteten kaum auf ihre Umgebung. Afra konnte heraushören, dass sie froh waren nicht bei der Jagd dabei sein zu müssen.
Als sich die Wächter entfernten stand Lilly auf und schaute über das Gras hinweg. Afra zog sie wieder nach unten. Lilly stand auf, das Gras ging ihr bis zur Brust und nur der Kopf schaute oben heraus.
Afra zog sie wieder nach unten. „Bist du wahnsinnig?“ zischte sie.
Lilly flüsterte zurück: „ich will auch was sehen,“ und stellte sich wieder auf. Afra zog sie wieder ruckartig nach unten. Jetzt musste Afra handeln. Als sie annehmen konnte dass die Wächter auf der anderen Seite der Herde waren flüsterte sie zu Lilly: „du und die da,“ dabei zeigte sie auf Masandro und Tinker, „ihr wartet hier und wenn ich das Rind habe dann geht es so schnell wie möglich zum Lager. Die Wächter werden uns nicht folgen und froh sein dass sie nur ein Rind und nicht ihr Leben verloren haben.“
Ohne noch irgendwelche Antworten abzuwarten ging Afra los. Als sie einen Blick zurück warf sah sie den Kopf von Lilly über dem Gras. Darum konnte sie sich jetzt nicht mehr kümmern.
Der Ochse vor ihr grunzte und schnaubte. Afra packte ihn an den Hörnern und wollte ihn so von der Herde weg ziehen. Aber plötzlich bockte das Vieh. Stieg hinten auf und trat in die Luft, senkte den Kopf und stieß in Richtung Afra und trieb sie so vor sich her. Afra blieb an den Hörnern hängen und wippte wie ein Fähnchen auf und ab. Plötzlich brüllte der Ochse auf und galoppierte los. Afra konnte sich gerade noch auf den Rücken schwingen. Sie lag flach auf dem Rücken und hielt sich krampfhaft an den Hörnern fest. Der Ochse aber hielt genau auf Lilly zu und Afra drehte mit voller Kraft die Hörner und lenkte das Viech an der kleinen Gruppe vorbei. Lilly fiel ins Gras, raffte sich auf und rannte fluchend hinter dem Ochsen und Afra her. Irgendwie ließ sich der Ochse nicht mehr lenken, er war voller Wut und galoppierte in das Unterholz. Afra hielt sich noch immer fest und bemühte sich den peitschenden Ästen auszuweichen. Dann plötzlich gab es einen lauten Knall. Der Ochse war in seiner blinden Wut mit voller Wucht gegen einen Baum gelaufen. Afra wurde wie ein Pfeil gegen den Baum geschleudert und war sofort bewusstlos. Als Lilly, der Wolf und Tinkerbell zu der Stelle kamen sahen sie gerade noch wie der Ochse zitterte und dann zusammenbrach und Afra rutschte langsam am Baumstamm herunter und bleib regungslos neben dem Ochsen liegen.
Lilly eilte sofort hinzu konnte aber nicht erkennen ob Afra noch lebte.
Alles schütteln half nichts, Afra regte sich nicht mehr.
„Heiliger Schamanenfurz, wir sind im Eimer, ich bin verloren.“


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Re: Der Fluch des Blutes

Beitragvon Atrista » 31.08.2015 15:30

Tinkerbells großer Auftritt

Lilly sprang aufgeregt um die am Boden liegende Afra herum. Zog mal am Arm dann wieder versuchte sie ein Bein zu schütteln, tätschelte im Gesicht die Backen und hob die Augenlider an um zu schauen ob sich am Auge noch etwas bewegt.
„Die ist hin, die hat die Waffen abgegeben,“ jammerte sie vor sich hin, „ich bin verloren und unseren Auftrag können wir so auch nicht mehr ausführen.“
Lilly stand da wie ein Häuflein Elend. Masandro hatte zuerst den Ochsen beschnuppert und dann Afra dann jaulte er auf und legte sich ins Gras und beobachtete was Lilly so tat.
Auch Tinkerbell flatterte um Lilly herum ohne etwas zu sagen.
Plötzlich kam Wut hoch in Lilly, sie holte aus und trat Afra voll in die Seite. Immer und immer wieder trat sie in den Körper.
„Du blödes Weib, in der Hölle sollst du schmoren. Ich sorge dafür, dass du nicht in den Hodscha auffährst. Du verdammte …“
„Halt,“ piepte da Tinkerbell, „Halt, was machst du?“
Lilly hielt inne und schaute Tinkerbell mit wässrigen Augen an: „Wir werden die Heimat nie wieder sehen, ich sterbe hier einsam im Feindesland, ich bin eine Versagerin.“
„Ja, wenn du weiter so deine Wut auslässt dann mit Sicherheit. Eine Tote behandelt man so nicht.“
„Was soll ich denn jetzt machen?“ Lilly ließ sich der Länge nach auf Afra fallen und heulte an die Brust. Masandro robbte vorsichtig näher und trauerte mit Lilly mit und Tinkerbell ließ sich in den Haaren von Afra nieder. Nach einer Weile setzte sich Lilly auf, sie saß auf Afras Bauch und als sie Tinkerbell entdeckte flehte sie den Kolibri an: „du bist doch eine Elfe, zaubere doch mal was, Elfen können doch zaubern, haben magische Kräfte“
„Ich bin noch eine junge Elfe, ich kenne noch nicht alle Rituale.“
„Beim Feuer Pallas und so was nennt sich meine Beschützerin,“ maulte Lilly.
„Hör auf und mach mich nicht nervös ich muss nachdenken.“
Tinkerbell versuchte sich zu konzentrieren. Sie flatterte vor Afras Gesicht herum, blieb dann in einigem Abstand ruhig in der Luft stehen. Nur die Enden der kleinen Flügelchen zitterten leicht und wenn sich das Sonnenlicht nicht darin fangen würde, niemand würde überhaupt einen Flügelschlag bemerken.
„Ich habe mal zugeschaut wie die Elfen einmal eine Schlafende geweckt haben, weiß aber nicht mehr so genau wie das geht.“
„Egal, probiere es,“ bäffte Lilly mit wenig Hoffnung in der Stimme.
Tinkerbell fing an zu summen und drehte sich langsam im Kreis.
„Halt!“ rief Lilly und Tinkerbells Konzentration war hinüber. Sie stürze hilflos flatternd auf Afras Brust.
„Was ist denn jetzt los?“ fragte sie ärgerlich.
„Wenn wir schon nichts tun können will ich die Jägerin wenigstens ehren.“
„Ich denke ich soll zaubern?“ piepste Tinkerbell
„Ja, ja,“ Lilly nestelte an ihrem Beutel am Gürtel herum und fingerte ein kleines Fläschchen heraus, „ das habe ich mal abgezapft bei Afra und wollte es mal trinken wenn ich alleine im Wald bin. Ich denke mein eigener Tod wird sich sehr viel schöner gestalten wenn ich betrunken bin. Und tot werde ich sein.“
Lilly entkorkte die kleine Karaffe und drehte sich angewidert zur Seite. Der typische beißende Geruch von den vergorenen Vogelbeeren strömte aus der Öffnung. Lilly die eigentlich vor hatte die Karaffe in einem Zug auszutrinken um sich zu betäuben wartete jetzt bis sich der Gestank verflüchtete. Tinkerbell war wieder aufgestiegen und hielt sich voller Konzentration über Afras Gesicht.
Wieder fing sie an zu summen, drehte sich langsam im Kreis um die eigene Achse und stieß dann ein paar Worte aus die niemand verstand. Lilly war ziemlich fasziniert und sie vergaß sogar das Trinken.
Gebannt stierten alle drei auf Afra. Lilly schaute angestrengt ob sich bei Afra irgendetwas bewegte. Aber nichts tat sich. Regungslos lag Afra auf dem Boden und Lilly schüttelte enttäuscht den Kopf.
„Hmmmm,“ brummte Tinkerbell, „ich muss wohl irgendetwas vergessen haben, ich probiere es noch mal.“
Wieder konzentrierte sich Tinkerbell in der Luft, summte und drehte sich und stieß unverständliche Worte in alle Himmelsrichtungen aus.
Irgendwo in der Baumkrone des Nachbarbaums krachte es und ein dürrer Ast brach und fiel krachend durch das Laub.
„Boah, war ich das?“ piepste Tinkerbell begeistert, „ich kann tatsächlich zaubern“
„Toller Zauber, dürre Äste kann ich auch fallen lassen,“ maulte Lilly
„Mach doch du wenn du alles besser kannst,“ piepste Tinkerbell genervt zurück.
Gerade als die beiden anfangen wollten zu streiten ächzte es verdächtig in der Baumkrone über ihnen. Erst kam ein kleines Knacken. Tinkerbell und Lilly schauten sofort nach oben. Keine Sekunde zu spät denn genau über ihnen hatte sich ebenfalls ein Ast gelöst und rutschte durch das Geäst.
Tinkerbell flatterte schnell zur Seite und Lilly hüpfte hoch und versuchte einen Sprung weg von Afra. Dabei aber machte sie so heftige Armbewegungen dass sie den Inhalt der Karaffe in hohem Bogen der regungslos da liegenden Afra ins Gesicht schüttete. Gerade noch rechtzeitig gelang es der jungen Kriegerin dem fallenden Ast auszuweichen. Dieser stürzte mit Getöse direkt auf Afras Bauch.

Als der beißende Gestank vom Karaffeninhalt Afra in die Nase strömte schlug sie unvermittelt die Augen auf, einen Wimpernschlag später bekam sie einen Schlag auf den Bauch.
„Ahhhhhhh,“ stöhnte sie auf und richtete langsam ihren Oberkörper auf.
Während Afra sich die Beule am Kopf rieb und Lilly sprachlos und mit offenem Mund Afra begaffte drehte Tinkerbell eine Runde nach der anderen.
„Ich kann zaubern, ich kann zaubern,“ piepste sie mit überschlagender Stimme. Sie drehte Kreise um Afras Kopf, dann umschwirrte sie Lilly, flatterte zu Masandro der die Ohren anlegte weil die hochfrequente Freude ihm weh tat. Immer wieder konnte man den Freudenschrei von Tinkerbell hören. Afra schüttelte langsam den Kopf, befühlte ihre Beule und so langsam erinnerte sie sich. Ein Grinsen machte sich über das ganze Gesicht breit. Lilly aber trat langsam an Afra heran und stupste mit dem Finger in ihre Brust.
„Du lebst?“ fragte sie verdattert
„Ja was denn sonst?“ fragte Afra verständnislos und richtete sich vollends auf. Dann fing sie an zu lachen, klatschte sich mit einer Hand auf den Oberschenkel und bekam sich gar nicht mehr ein vor Freude.
„Ich weiß nicht, was jetzt so lustig wäre,“ Lilly hatte sich wieder gefangen und war ganz die alte.
„Ja hast du nicht gesehen, heiliger Schamanenfurz, war das ein Ritt!“
Afra bekam sich kaum noch ein vor Freude.
„Hast du gesehen wie ich den Ochsen da geritten bin, direkt ins Lager habe ich ihn gelenkt.“
Lilly schüttelte fassungslos den Kopf: „du dummes Weib, ich habe gesehen wie dich der Ochse hier her geschleift hat, du bist noch dümmer als drei vergessene Schamanen. Wie ein vergessener Schamanenrock bist du hinterher geflattert. Das nennst du Ritt?“
Afra stellte sich in Siegerpose vor Lilly auf: Von dieser Art elegant einen Ochsen zu reiten hast du in deinen jungen Jahren natürlich noch nichts gehört.“
Das Geplänkel zwischen dem ungleichen Paar wäre mit Sicherheit weiter gegangen, wenn Masandro nicht geknurrt hätte.
Sofort waren beide still und Afra lauschte in den Wald hinein. Mit gesenkter Stimme gab sie Lilly zu verstehen dass sie in das Lager gehen sollte.
„Geh mach ein Glutfeuer und bleib beim Feuer dann wirst du nicht angegriffen. Das Schwert das du in deinem Bündel mitgetragen hast legst du mit der halben Klinge in die Glut und bereitest es vor so wie Cindy es gesagt hat“
Wieder lauschte Afra in den Wald hinein, dann drängte sie Lilly sich zu beeilen.
„Ich komme schon zurecht,“ flüsterte sie und setze sich neben den Ochsenkadaver mit dem Rücken an den Baum.


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Re: Der Fluch des Blutes

Beitragvon Atrista » 01.09.2015 15:22

Anatomie des Todes

Lilly wusste wie wichtig das glühende Eisen war. Sie hatte zwar nicht genau verstanden wieso aber wenn Cindy das sagte dann war das eben so und diese Tatsache hatte auch nicht angezweifelt zu werden. Lilly machte sich also daran die Glut zu entfachen. In einem Tonkrug wurde immer vom Feuer des Vortages Glut aufbewahrt und diese Glut nutzte Lilly jetzt um das Holz zu entzünden. Die dicken Scheide legte sie direkt auf die Glut. Sie wartete einen Moment bis die Flammen das Holz richtig erfasst haben dann legte sich noch Scheide nach. Fast feierlich holte sie das eigens für diesen Fall geschmiedete Schwert aus ihrem Bündel. Sven hatte genau nach den Vorstellungen der Schamanen das Schwert geschmiedet. Er hatte bewusst sehr viel Kohlenstoff beigesetzt damit die Klinge besser zum Glühen gebracht werden konnte. Die Klinge war sehr hart konnte aber auch leicht brechen. Sven hatte mit sehr viel Asche und Ruß gearbeitet und immer wieder diese Materialien in das glühende Eisen eingebracht und eingehämmert. Bei einem Kampfschwert hätte man das so nicht gemacht. Da ist die Härte des Stahls nicht erwünscht. Im Schwertkampf, wenn man die Klingen kreuzt müssen die Stähle auch richtige Schläge aushalten ohne zu brechen. Allzu harter Stahl bricht und ist nur kurz tauglich. Lilly trug das Schwert mit feierlichen Schritten zum Feuer und dann schob sie die Klinge mit der Spitze voran etwa bis zur Hälfte in die Feuerglut. Jetzt war auch für sie nichts mehr zu tun als Warten. Tinkerbell hatte sich verkrochen und saß ängstlich wartend in einem Busch am Rande der Mulde. Masandro schien auch zu ahnen das bald ein alles entscheidender Moment kommen würde. Er lag in der Nähe des Muldenrandes und beobachtete Afra. Seine Ohren gingen voller Konzentration auf und ab.. Lilly hielt es nicht mehr aus und wagte sich nach vorne , ging neben Masandro in die Hocke und dann beobachtete sie Afra.
„Wie kann man nur so ruhig da sitzen?“ schoss es ihr durch den Kopf. Auch wenn sie bemüht war neben Afra wie eine erwachsene Kriegerin daher zu kommen wusste sie genau, dass dort eine Jägerin und Kämpferin saß, die sich durch nichts von einem einmal eingeschlagenen Weg abbringen ließ. Afra, das wusste sie war gefährlich. Selbst hatte sie diese Frau noch nicht in Aktion gesehen aber schon viele Geschichten darüber gehört. Im inneren musste sie schmunzeln als sie daran dachte wie sie vor ein paar Tagen in die Karawanserei einmarschiert sind. Noch deutlich hatte sie das Alarmgeschrei in den Ohren und die Tatsache wie sich ein ganzer Han vor einer einzigen Jägerin versteckte sagt doch schon alles. Afra bewegte sich hier im Feindesland so selbstverständlich als wäre sie zuhause. Jetzt saß sie da, mit dem Rücken an den Baum gelehnt, den Kopf leicht gesenkt und regte sich nicht. Lilly blickte ab und zu nach hinten wo das Feuer das Eisen zum Glühen brachte dann aber wieder schnell nach vorne um ja nichts zu verpassen. noch ahnte sie nicht welche Rolle Afra ihr in diesem Kampf zugedacht hatte.

Afra hielt die Augen geschlossen und beobachtete die Umgebung mit ihren Sinnen. Sie wusste da im Unterholz wurde sie beobachtet und wohl auch abgeschätzt. Sie war sich sehr sicher, dass dort keine Tschurok waren denn die würden nicht so vorsichtig den Gegner studieren. Dort aber war etwas das Gefahr ausströmte. Etwas das sehr selbstsicher war und doch sehr vorsichtig. Afra registrierte das und wusste, dass sie diesen Gegner nicht unterschätzen durfte.
Da war noch mehr. Aufgeregtheit und Ängstlichkeit. Afra ordnete diese Auffälligkeiten ihrem eigenen Lager zu. Vermutlich war Lilly und der Wolf sehr nahe in den Gebüschen. Nur kurz lächelte Afra bei dem Gedanken. Sie hatte Lilly richtig lieb gewonnen. Die Kleine wollte eine große Kriegerin sein und ist auch auf dem besten Wege dahin und wer weiß vielleicht schafft sie das schneller als ihr lieb sein konnte.
Afra konzentrierte sich wieder auf die unbekannte Gefahr im Unterholz. Erst als sie die Bewegung wahrnahm öffnete sie die Augen. Etwa 20 Pferdelängen von ihr sah sie das Wesen. Bei Pallas was war das. Auf den ersten Blick hatte das Wesen überhaupt nichts von einem Wolf. Die Vorderläufe waren sehr viel größer als die Hinterläufe. Die Schulterpartie war breit und trotz des Felles konnte man sehen wie muskulös das Wesen war. Afras erster Gedanke war, dass da ein übergroßer Gorilla stand. Der Kopf aber war bullig und hatte etwas von einem Wolf. Die lange Schnauze zeigte zwei große Hauer. Die Oberlippe zuckte scheinbar nervös und legte mit jedem Zucken eine graue Gebissreihe frei. Der Kopf erinnerte an einen Wolf aber sonst gab es keine äußeren Merkmale die auf eine Verwandtschaft schließen lassen könnten. Das Wesen richtete sich einmal kurz auf und stand für wenige Sekunden nur auf seinen Hinterläufen. Afra schätze das Tier größer als einen Bären, wahrscheinlich auch kräftiger und wendiger. Afra schloss kurz die Augen um die Aufgeregtheit abzuschätzen. So selbstsicher wie Afra anfangs angenommen hatte war das Tier gar nicht. Afra spürte deutliche Zeichen von unsicherer Angst. Ein schnelles Pochen des Herzpulses.
Afra wusste dass sie ebenfalls abgeschätzt wurde. Das Tier erhob sich vollends auf die Hinterläufe und streckte die Schnauze in Afras Richtung. Afra konzentrierte sich jetzt auf sich selbst und brachte ihr Herz zu einem schnelleren Rhythmus. Sie ließ ihren Puls von Sekunde zu Sekunde anschwellen und immer heftiger pulsieren. Afra verströmte Angst und Panik. Ein zufriedenes Brummen zeigte ihr dass ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt waren. Dieser Wolf, wenn es überhaupt einer war hatte seine Selbstsicherheit wieder gewonnen und trat langsam auf Afra zu.
Afra richtete sich langsam auf. Ihre Augen waren stur auf die Vorderläufe gerichtet. Sie wollte herausfinden wie das Biest lief, wie es sich abstützte wie es die Gewichtsverteilung vornahm. In Ihrem Kopf war plötzlich ein Plan da und sie wusste wie sie vorgehen würde. So etwa 3 Pferdelängen vor Afra richtete sie das Biest auf und fletschte knurrend die Zähne.
„Ahhhhh..“ kam es aus dem Gebüsch. Lilly hatte sich erschrocken und einen kurzen Schrei losgelassen.
Sofort hielt das Biest seine Schnauz schnuppernd in das Gebüsch.
„Hey du Stinktier, hier bin ich, ich bin es mit der du zu tun hast.“
Afra sprach es laut und deutlich und tatsächlich das Biest reagierte darauf. Sofort knurrte es wieder Afra an.
Afra winkte in das Gebüsch und sagte zu Lilly sie solle sich heraustrauen und zeigen. Lillys Herz drohte ihr oben aus dem Mund zu springen so heftig pochte es aber sie vertraute Afra und trat aus dem Gebüsch.
Das Biest wendete nur kurz den Kopf schaut die kleine Lilly an und dann wieder zu Afra.
„Mit mir hast du es zu tun Stinktier aber die da,“ Afra zeigte seelenruhig auf Lilly die am Gebüsch stand, „die da wird dich töten. Noch bevor es richtig Nacht ist wirst du tot sein.“
Lilly wäre am liebsten tief in der Erde verschwunden denn das Gebrüll war furchterregend. Als hätte das Biest verstanden was Afra sagte zeigte es jetzt Wut. Die Lippen zurückgezogen fletschte es mit den Zähnen, riss das Maul auf und zeigte die fürchterlichsten Hauer die Lilly je gesehen hatte. Afra hatte ihr Ziel erreicht. Das Biest vor ihr hatte sich nicht mehr unter Kontrolle. Es zeigte Wut, es war jetzt wie in die Ecke getrieben. Das machte es zwar unberechenbarer aber die Wahrscheinlichkeit dass es auch Fehler machte war sehr viel höher. Lilly verstand nicht wirklich was Afra da machte und hätte sich gewünscht dass Afra das Biest nicht so wütend machte. Langsam drückte sie sich wieder in das Gebüsch ohne das Biest aus den Augen zu lassen. Afra aber hatte wieder ihren Puls nach unten gefahren. Kühl und rational plante sie den Tod.
Langsam fing sie an sich zu bewegen. sie lief ganz langsam einen Kreis um das Biest. Ihre Augen waren stur auf die Vorderläufe gerichtet. Das Gebrüll und das Geknurre interessierten sie überhaupt nicht. Würde die vorderen Pfoten zucken würde Afra sofort handeln. Sie sah wie die Krallen der Hinterläufe ausfuhren und sich in den Waldboden trieben. Jetzt war es soweit. Afra griff nach hinten und zog ihr Messer hervor. Keine Sekunde zu früh, denn plötzlich fuhren die vorderen Pfoten nach vorne durch die Luft um Afras Kopf zu treffen. Afra aber fiel auf den Boden und unterlief so den Schlag. Blitzschnell rollte sie an der Seite nach hinten und rammte ihr Messer genau in die Stelle zwischen der Laufsehne und dem Knochen. Mit einem kräftigen Ruck trennte sie die Sehne durch. Das Biest fuhr mit einem lauten Aufschrei herum und schneller als Afra lieb war haute es die Krallen der Vorderläufe in Afras Hüfte und schleuderte sie ein paar Meter weg. Die Krallen hatten keine tiefen Wunden geschlagen weil der Lederrock einiges abgehalten hatte. Afra aber wusste jetzt wie wendig und schnell das Biest reagieren konnte. Als Afra sich wieder aufraffte bemerkte sie wie das Biest hinten rechts eingeknickt war. Der Stand war unsicher und der rechte hintere Lauf wurde nachgezogen. Als Afra wieder stand kam ein fürchterliches Schmerzgeheul aus dem Maul des Biestes. Afra Provozierte, lief tänzelnd um das Biest herum und winkte es mit der Hand ohne Messer immer wieder zu sich so als wollte sie sagen: „Komm, ich bin hier, bringen wir es zu Ende“
Afra hatte, während sie um das Biest herum lief eine weitere Erkenntnis. Das Biest war intelligent. Es hatte den Plan Afras erkannt und versuchte jetzt den linken Hinterlauf zu schützen. Mit Schmerzen drehte es sich immer mit. Einem wütenden verzweifelten Angriff konnte Afra geschickt ausweichen. Afra wechselte das Messer in die linke Hand und in dem Augenblick wo sie wieder einem Angriff ausgewichen war sprang sie nach vorne und versetzte einen Faustschlag mit voller Wucht an den Kopf. Gleichzeit sprang sie in die Höhe um sich mit den Füssen an der Brust des Biestes nach hinten weg zu stoßen. Sofort stand sie wieder auf den Beinen. Das Biest war irgendwie langsam geworden. Es schien wie betäubt und hatte Mühe den Kopf zu Afra zu drehen. Afra nutzte die Situation gnadenlos aus und versetzte dem Biest einen zweiten Hieb mit aller Kraft gegen den Kopf. So hatte sie einmal einem Bären den Schädel zertrümmert. Auch hier krachte es verdächtig aber das Biest fiel nicht. Ein lautes aufheulen war die einzige Reaktion. Als Afra sich um das Biest bewegte kam das Biest nicht mehr nach. Orientierungslos drehte es sich erst in die falsche Richtung bevor es langsam wieder Afra erfasst hatte. Afra aber rollte sich an den linken hinteren lauf und durchtrennte auch da die Laufsehne. Das Biest knickte ein. Der Hieb mit der Pranke kam als Afra schon längst wieder stand. Mehr wütend über sich selbst brüllte das Biest los. Afra spürte die Todesangst.
„Lilly hol das das glühende Schwert,“ rief Afra ohne sich umzudrehen.
Auch einen sterbenden Gegner ließ man nicht aus den Augen solange er nicht wirklich tot ist. Das Biest drehte sich im Kreise, es rutschte auf dem Hinterteil immer Afra hinterher. An den Reaktionen merkte Afra wie betäubt das Biest sein musste. Änderte sie ihre Laufrichtig dauerte es Sekunden bis das Biest dies realisiert hatte und sich wieder mitdrehen konnte. Afra trat schnell hinzu und rammte ihr Messer in die oberen Muskel des linken Vorderlaufs. Das Biest dreht sich zum Schmerz und heulte auf.
Afra sah Lilly mit dem Schwert angelaufen kommen. Mit beiden Händen hielt sie das glühende Eisen vor sich und lief zu Afra.
Afra aber entschloss sich dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Das Biest das jetzt nur noch auf einem intakten Lauf stand war nicht mehr in der Lage das was jetzt kam abzuwehren. Afra trat ganz nahe an das Biest heran und dreht sich einmal um die eigene Achse und hämmerte ihre Faust mit voller Wucht erneut gegen den Schädel. Es krachte und das typische splittern von Knochen war zu hören. Zuckend wie in Krämpfen brach das Biest zusammen und röchelte. Afra aber winkte Lilly heran.
„Vollende den Todeskampf. Du bist eine Kriegerin, stoß im das Eisen ins Herz.“
Lilly wagte kaum auf das Biest zuzugehen. Stellte sich aber von Afra gezogen an die Seite mit dem ausgeschalteten Läufen und wollte das Schwert in die Herzgegend rammen. Das Schwert verschmorte nur das Fell aber es drang nicht ein. Lilly hatte nicht genügend Kraft das Eisen durch das Fleisch in das Herz zu drücken. Afra kam ihr zuhilfe.
Afra stellte sich hinter Lilly ergriff ihre Hand und umschloss mit ihr gemeinsam den Griff des Schwertes dann setzten sie an und gemeinsam drückten sie die Klinge immer tiefer. Ein letztes Röcheln und der verlorene Glanz in den Augen verrieten Lilly dass das Biest tot war. Als Lilly das Eisen wieder zurückziehen wollte schüttelte Afra den Kopf.
„Lass es stecken Kriegerin, dieses Schwert kannst du für nichts mehr gebrauchen. Die Glut hat das Eisen hart gemacht und es steckt in verfluchtem Blut.“
Lilly hatte plötzlich das Bedürfnis Afra zu umarmen.
„Danke Afra, dass du mir das ermöglicht hast.“ Lilly hatte plötzlich ein ganz anderes Verhältnis zu dieser großen Frau. Sie hatte Afra kämpfen sehen und konnte nur beten dass Afra niemals ein Gegner der Amazonen wird.
Afra löste sich aus der Umarmung und erkläre den anderen: „Wir müssen hier weg. Dieser Kampf wird nicht unbemerkt geblieben sein. In wenigen Stunden wird es hier wimmeln und ich habe keine Lust mich mit den Tschurok herumzuschlagen.“
Afra schaute kurz nach der Wunde an der Hüfte und stellte befriedigt fest dass es nur angekratzt war.
„Wir brechen auf,“ gab sie das Zeichen für den übereilten Rückweg. Sie nahm Lilly auf die Schulter und fing an zu laufen.
Drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen.

Sechs Tage später standen sie auf der Höhe des Passes und schauten herunter in das Land der Amazonen.


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Re: Der Fluch des Blutes....Diskussions Thread

Beitragvon ^^Lilly^^ » 09.09.2015 11:39

Zitat Afra:“ „Wir brechen auf,“ gab sie das Zeichen für den übereilten Rückweg. Sie nahm Lilly auf die Schulter und fing an zu laufen.“

Der Weg führte sie zurück zur Karawanserei. Dieses Mal nur ein kurzes „Lillllilililililil….“ trillern der Weiber als Alarm, wie auf ein Zeichen verstummten sie und verschwanden in die Häuser.
Die „Skalpjägerin“ mit Anhang, begab sich zum Haus des Emirs. Dort angekommen trommelte sie mit der Faust gegen die Tür und flötete mit lieblicher Stimme: „Wir sind wieder daaa“. Ohne eine Pause zu machen hängte sie den Satz dran: „Gütiger, tapferer Emir ihr scheint nicht zuhause zu sein, so werden wir morgen wieder kommen um vom Padischah zu berichten.“ Ohne die Geräusche hinter der Tür zu beachten wandte sie sich sofort zum Gehen ab.
Zwischenzeitlich war Lilly wie vorher besprochen in den Stall gelaufen, ein kurzer leiser Ruf reichte und ihr Pferd folgte wie gewohnt. Die kleine Gruppe verließ unverzüglich die Karawanserei, wohl wissend, dass sie von vielen Augen beobachtet wurden. Am Tor hob Afra die Hand ohne sich umzudrehen und winkte hinter sich. „Das wird nicht der letzte Besuch gewesen sein“, rief sie.

Drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, ging es Richtung Amazonien.

Oben am Pass angekommen legte die kleine Truppe eine kurze Rast ein. Jeder ließ den Blick schweifen über das ihnen wohl bekannte Land, jeder zufrieden den Auftrag erfüllt zu haben und nun bald wieder zuhause zu sein. Afra hatte es nun noch eiliger, zischte nur “weiter“.
Drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen, drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen.
Lilly ließ bei der monotonen Schrittfolge die Bilder gedanklich noch mal an sich vorüberziehen: der Aufbruch, das Ausspähen der Feinde, der Besuch beim Emir, Afras Ritt auf dem Ochsen, Afra die sie schon tot glaubten, das Schmieden des Schwertes, der Todesstoß, wie sie Angst hatte und wie sie sich groß fühlte und an die Freundschaft zu Afra, Tinker und dem Wolf.
^^°°^^ Bild ^^°°^^
^^Lilly^^
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